Sommerfest 2001 Fidelio Begegnungs- und Beratungszentrum in Dresden

Über 80 Jahre gelebte Solidarität in Dresden-Gruna

Gemeinsam stark seit den Trümmern von 1945

Gib hEs gibt Momente in der Geschichte einer Stadt, in denen das Schicksal der Menschen untrennbar miteinander verschmilzt. Der Februar 1945 war ein solcher Moment für Dresden. Inmitten von Schutt, Asche und unermesslichem Leid ließen die Dresdnerinnen und Dresdner den Kopf nicht hängen. Auch in Gruna formierte sich eine Bewegung: die Bereitschaft, füreinander einzustehen. Es war die Geburtsstunde einer Hoffnung, aus der die Volkssolidarität erwuchs. Wenn wir heute auf über 80 Jahre Volkssolidarität in Dresden und speziell in unserem Stadtteil Gruna blicken, schauen wir nicht nur auf nackte Jahreszahlen. Wir schauen auf Mitmenschlichkeit und auf Gesichter, die diese Geschichte geprägt haben.

Die Anfänge: Ein Netz der Hilfe entsteht

Schon kurz nach dem Krieg, im Jahr 1946, nahm die Struktur Gestalt an – über den Landesausschuss der Volkssolidarität in der Döbelner Straße und den Kreisausschuss in der Jägerstraße. Gruna und der Dresdner Osten wurden schnell zu Zentren dieser Bewegung. Wer erinnert sich noch an die Stationen unseres Engagements?
• In den 1950er Jahren pulsierte das Leben in der Rosenbergstraße 5 und später in der Friedrich-Wieck-Straße.
• Seit Beginn der traditionellen Listensammlung nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Mitglieder der Volkssolidarität unermüdlich dazu beigetragen, Spenden in beachtlichen Größenordnungen zu sammeln, um soziale Projekte direkt in der Nachbarschaft zu unterstützen und zu finanzieren.
• Ab 1956 organisierte der Bezirksausschuss Dresden-Ost der Volkssolidarität von der Hülßestraße 16 aus die Initiativen und Mitglieder für die Stadtteile Gruna, Seidnitz, Blasewitz etc., gefolgt von Büros in der Dieselstraße und der Wehlener Straße.Es ging damals um das nackte Überleben, um Suppenküchen, um warme Kleidung und ein gutes Wort.

Doch schon bald ging es um mehr: um Lebensfreude und Gemeinschaft.

Unvergessen bleibt der Veteranenclub in der Behrischstraße (1959–1976), der für viele ältere Grunaer zu einem zweiten Wohnzimmer wurde. Und 1974 schlug die Geburtsstunde der Kultur: In Zusammenarbeit mit dem Kulturpalast wurde der Chor „Musica74“ ins Leben gerufen – Stimmen, die bis heute Trost und Freude spenden.Die wechselvolle Geschichte von „Fidelio“: Ein doppeltes Jubiläum zum Feiern!Ein ganz besonderes Herzstück unserer Arbeit im Dresdner Osten feiert eine bewegte Geschichte: Das heutige Begegnungs- und Beratungszentrum „Fidelio“ blickt auf stolze 50 Jahre Klubgeschichte zurück. Alles begann kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember 1974, als auf der Comeniusstraße 68 der Klub der Volkssolidarität feierlich eröffnet wurde. 1979 erhielt dieser dann den Namen „Prof. Dr. Robert Ganse“.

Schon damals spiegelte sich in den Angeboten das wider, was uns heute noch ausmacht: ein quirliger, bunter Mix aus Kultur, Geselligkeit, Sport, Reisevorträgen und Bildung.Doch der Weg war wechselvoll und führte uns schließlich zu einem zweiten, ganz aktuellen Meilenstein:

1997 der Abschied und Neuanfang: Das Gebäude in der Comeniusstraße war baufällig und musste abgerissen werden. Der Klub zog ins benachbarte Gruna, zunächst in die Postelwitzer Straße 2. In den dortigen Seniorenwohnungen und der Tagespflege war viel Platz, doch die Räume für die Begegnung im ersten Obergeschoss des Hochhauses waren sehr beengt. Dennoch hielt man an Traditionen fest: Nach den großen Sommerfesten im „Großen Garten“ (1992–1997) feierte man 1998 einfach ein wunderschönes Sommerfest auf dem Gelände rund um das Hochhaus.

Eröffnung des Clubs der Volkssolidarität in Dresden Gruna, Comeniusstr. 68

Ein Vierteljahrhundert auf der Papstdorfer Straße

Eine großzügige Alternative musste her. Man fand sie in einem ehemaligen Bekleidungsgeschäft unter Vermietung der WG Aufbau. Es wurde kräftig umgebaut – ein großer heller Eingangsbereich, eine Küche und ein großer Saal entstanden. Am 6. Januar 2001 öffneten sich die Türen auf der Papstdorfer Straße 25 zum ersten Mal unter dem klangvollen Namen „Fidelio“.

Das bedeutet: Im Jahr 2026 besteht die vom Sozialamt der Stadt Dresden geförderte Einrichtung „Fidelio“ an seinem heutigen Standort stolze 25 Jahre! Ein Vierteljahrhundert voller interessanter Begegnungen, Engagement, Beratung und gelebter Nachbarschaft, das wir in diesem Jubiläumsjahr natürlich ganz gebührend und feierlich miteinander begehen werden.

Jahrhundertflut und Brunnenfest: Dresden Gruna hält zusammen

Einer, der diese bewegten Jahre hautnah miterlebt und gestaltet hat, ist Zeitzeuge Dieter Lorenz. Seit 1995 engagiert er sich in der Volkssolidarität Dresden – zu Beginn als aktives Vorstandsmitglied, später als Vorsitzender einer sehr aktiven Mitgliedergruppe in Gruna und bis zum heutigen Tage als die gute Seele, die sich liebevoll um den Schaukasten auf dem Ruppendorfer Weg kümmert. Wohnhaft in Gruna, steht er sinnbildlich für das enge Netzwerk im Stadtteil, das über Jahrzehnte gewachsen ist. So bestand schon immer eine große Nähe zum Kindergarten Liebstädter Straße und zur WG Aufbau, die uns nicht nur als Vermieter, sondern auch als treuer Unterstützer der Brunnenfeste zur Seite steht.

Besonders tief in Dieter Lorenz’ Gedächtnis eingebrannt ist das berührende Miteinander während der Jahrhundertflut am 13. August 2002. Als die Flut Dresden traf und auch die frisch bezogene Begegnungsstätte „Fidelio“ in Gruna geräumt werden musste, zeigte sich das wahre Fundament unseres Verbandes. Für Dieter Lorenz und die vielen Helfer ging es damals nicht nur darum, den eigenen Mitgliedern beizustehen. Mit der für die Volkssolidarität so typischen Selbstverständlichkeit öffnete man die Arme für alle, die in dieser schweren Stunde Hilfe brauchten.

Aus dieser überstandenen Not und dem tiefen Zusammenhalt erwuchs eine wunderschöne Tradition: Als Zeichen des Wiederaufbaus und des ungebrochenen Lebensmutes feierten die Grunaer 2003 das 1. Brunnenfest. Dieses Fest wuchs von Jahr zu Jahr – bis im Juni 2024 sage und schreibe 5.000 Gäste das 17. Brunnenfest feierten.


Der Blick nach vorn: Zukunftsmusik und neue Horizonte

In den letzten Jahren hat sich das „Fidelio“ unermüdlich weiterentwickelt. Seit der Umbenennung im Jahr 2024 ist die Einrichtung ein Begegnungs- und Beratungszentrum, wodurch die Soziale Beratung nun direkt vor Ort verankert ist. Zudem streckt das Team seine Fühler aus: In Seidnitz und Dobritz werden – vor allem in Zusammenarbeit mit dem Bürger- und Freizeittreff „Marie“ – neue Sportgruppen und Treffmöglichkeiten aufgebaut.

Im Zeitraum 2025 wurde der Ambulante Dienst Ost zu einem modernen Pflegekompetenzzentrum umgebaut – getreu dem Motto: Alle Dienste unter einem Dach, um die Menschen in Gruna noch herzlicher und professioneller zu begleiten. Mit dem dort ansässigen Projekt Kompass 70+ steht die gesundheitliche Vorsorgeplanung älterer Menschen im Vordergrund, die in Dresden Gruna mit einem Anteil der Senioren ab 65 Jahren bei etwa 24,4 % (Quelle: Statistisches Landesamt) liegt.




Brunnenfest 2024 in Dresden Gruna

Unsere Vision für Gruna, 25 Jahre Begegnungsstätte Gruna

Leiterin Jana Baumgart im Gespräch

Nach den Wünschen der Landeshauptstadt Dresden soll die Volkssolidarität Dresden künftig als Ankermieter und Betreiber der historischen Villa Akazienhof in der Schneebergstraße 16 fungieren. Geplant ist, nach der für Mai 2026 bis 2028 angesetzten, rund vier Millionen Euro teuren Sanierung des Gebäudes mit einer Seniorenbegegnungsstätte in die neuen Räumlichkeiten einzuziehen. Gemeinsam mit den Aktivitäten im rund 3.000 Quadratmeter großen Bürgergarten soll dort ein lebendiges Mehrgenerationenhaus entstehen.

80 Jahre gelebte Nächstenliebe und ein Blick in die Zukunft: Das Jubiläumsjahr in Dresden-Gruna

80 Jahre Volkssolidarität in Dresden-Gruna – das sind acht Jahrzehnte gelebte Nächstenliebe. Der Bogen spannt sich von den Suppenküchen des Jahres 1945 über eine bewegte, vom Engagement vieler Menschen wie Dieter Lorenz getragene Klubgeschichte bis hin zu den modernen Kompetenzzentren der Zukunft. Wir danken jedem Einzelnen, der diesen Weg als Helfer, Mitglied oder Freund mit uns gegangen ist.