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Internationale Konferenz

Herausforderung Älterwerden -
Internationale Konferenz

Die Internationale Konferenz stellt einen grenzüberschreitenden Beitrag zur Zusammenarbeit von Seniorenorganisationen aus den Regionen Sachsen, Böhmen und Niederschlesien dar.

Die erweiterte Europäische Union hat viele Fragen nach der Gerechtigkeit zwischen den Generationen aufgeworfen. Die einzelnen Länder haben dabei unterschiedliche Herangehensweisen entwickelt, um mit den gestiegenen Anforderungen einer immer älter werdenen Gesellschaft fertig zu werden. Fragen - wie die nach der Rolle der staatlichen Organisationen und der Wohlfahrtsverbände, der häuslichen Pflege, der Serniorenclubs, der Verantwortung des Einzelnen für das eigene Leben und der Finanzierung des Lebens im Alter - sie suchen noch nach Antworten.

Mit der länderübergreifenden Internationalen Konferenz soll ein Zeichen gesetzt werden, positive und praxisnahe Erfahrungen aus den einzelnen Ländern einer gemeinsamen Nutzbarkeit zugeführt und die Lösung von Aufgaben gefördert werden. Ziel ist, die Menschenwürde der älteren Mitbürger durch Selbstständigkeit und Selbstbestimmung auf einem höchstmöglichen Niveau zu gewährleisten.

 

Internationale Konferenz vom 24. bis 26. November 2009

 

"Die Nutzung der Potentiale älterer Menschen - eine Ressource für die Zukunft" war das Thema der Internationalen Konferenz im November 2009, zu der die Volkssolidarität Dresden e.V., in Zusammenarbeit mit der Brücke-Most-Stiftung und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft eingeladen hatte.

Diese Konferenz versteht sich als ein weiterer Baustein für eine Brücke des künftigen Miteinanders der älteren Generationen in den drei Nachbarländern Polen, Tschechien und Deutschland. Veranstaltungsort der Konferenz war am 25. November 2009 im Sozial-Kulturellen Zentrum "Volkshaus Laubegast" der Volkssolidarität Dresden. Unterstützt wurde die Internationale Konferenz vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Landesdirektion Dresden.

 Weitere Informationen

Eröffnet wurde die Konferenz am 24. November 2009 mit einer Begrüßungsveranstaltung in den Räumlichkeiten der Brücke/Most-Stiftung in Dresden. Jürgen Scholtyssek, Vorstandsmitglied der Volkssolidarität Dresden e.V. und Koordinator für Internationale Beziehungen, stellte die Delegationen einander vor. In seinem Grußwort drückte er den Wunsch aus, dass von dieser Konferenz neue Impulse für die internationale Zusammenarbeit zu Fragen der älteren Generation ausgehen. Herzlich willkommen geheißen wurden die Teilnehmer auch von Peter Baumann, Geschäftsführer der Brücke/Most-Stiftung. Er wünscht sich ein weiteres Wachsen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu Tschechien, aber auch zu Polen, Slowakei und Ungarn. Durch die Brücke/Most-Stiftung initiierte gemeinsame Kultur- und Bildungsangebote sollen fortgesetzt werden.

Ziel der Internationalen Konferenz, die am 25. November 2009 im Volkshaus Laubegast statt fand, war ein breiter Erfahrungsaustausch im grenzüberschreitenden Dialog zwischen den Vertretern von staatlichen Organisationen und Seniorenorganisationen aus Tschechien, Niederschlesien und Sachsen. Insbesondere tauschten die Teilnehmer ihre Erfahrungen darüber aus, wie die Menschenwürde der älteren Mitbürger durch Selbstständigkeit und Selbstbestimmung auf einem höchstmöglichen Niveau gewährleistet werden sowie das reichhaltige Erfahrungspotential der älteren Generation im Miteinander der Generationen, im bürgerschaftlichen Engagement, genutzt werden kann.

Werner Schnuppe, 1. Vorsitzender der Volkssolidarität Dresden e.V. sagte in seiner Eröffnungsrede: „Wir hier in Dresden bauen nicht nur auf das, was uns hier bewegt, sondern auch auf das, was die Bürger in den Nachbarnländern, beschäftigt.“ So sei die demographische Entwicklung eine große Herausforderung und zugleich eine große Chance für die benachbarten Länder Deutschland, Polen und Tschechien, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Er sprach über die Geschichte der Volkssolidarität Dresden e.V., ihre fast 20-jährige erfolgreiche Arbeit. Diese beruhe auf einem Sozialverband mit starker Mitgliedschaft und Interessenvertretung sowie einem Wohlfahrtsverein, der eigene soziale Dienste und Einrichtungen betreibt. So sind derzeit 8000 Dresdner Mitglied bei der Volkssolidarität, das sei jeder 45te Dresdner.

Für Beate Hennig, Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen, stellte das Thema der Konferenz nicht nur eine hochaktuelle Anforderung für den Freistaat Sachsen dar, sondern es hat in Europa länderübergreifende Bedeutung gewonnen. Die Nutzung der Potenziale von Senioren könne in keinem Land „von oben her“ erfolgen, die Senioren müssten sich selbst als Ressource für die Zukunft verstehen und in die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens einbringen. „Denn eines haben wir alle gemeinsam: Wir werden alle älter und wir alle wollen, dass unsere Erfahrungen auch im Seniorenalter geschätzt werden.“

Zu den Höhepunkten der Konferenz zählte der Vortrag von Prof. Dr. Ralf Evers von der Evangelischen Hochschule Dresden zur sozialen Kompetenz im Alter. Als Professor für Generationenbeziehungen stellte er die Potentiale des Alters aus wissenschaftlicher Sicht heraus. „Wenn Menschen einander begegnen, entsteht Freundschaft, entsteht Raum für Solidarität“, sagte Prof. Evers. Heimat werde geschaffen durch das, was Menschen verbindet: Geborgenheit und soziale Beziehungen. „Heimat in diesem Sinne müssen wir erst schaffen. In einem Nahraum, wo Menschen sich begegnen, in einem Lebensraum, wo Solidarität praktiziert wird, das ist ein Weg.“ Die ältere Generation stelle dabei eine Schlüsselressource dar zum Erhalt und zur Wiedergewinnung eines sozialen Nahraumes. Als positiv sehe er, dass es in der Kulturgeschichte der Menschheit noch keine Situation gegeben habe, in der die ältere Generation über so viele Erfahrungen verfügt und von der Arbeit freigestellt ist. Da die Altersphase länger werde, werde sich der Lebensverlauf gravierend auf diese Altersphase auswirken. Es werde zunehmend Verarmungs-/Vereinsamungs- und Verteilungsprobleme geben. Damit werden auch die Probleme der sozialen Sicherung, die Veränderungen im Sozialmarkt zunehmen. In dieser Krisensituation ist das Entstehen und Wirken der Wohlfahrtsverbände eine besonders glückliche Entwicklung, denn sie haben eine neue Versorgungssituation geschaffen. Es gab noch nie so viele professionelle Helfer. Das Potenzial der Älteren müsse im sozialen Nahraum mehr genutzt werden. So würden diese eine wichtige Rolle im Zusammenhalt der Generationen einnehmen. Die Frage sei: „Wo können die Potenziale Älterer nutzbringend eingebracht werden? Was kann eine Gesellschaft tun, um diese Potenziale zu aktivieren?“ Es gehe vor allem um ein solidarisches Altern, ein Altern in Gemeinschaft, ein Einbinden in soziale Netzwerke.

Petra Zschöppe, Leiterin des Sozialamts der Landeshauptstadt Dresden, würdigte in ihrem Grußwort, dass die Volkssolidarität Dresden e. V. sich bereits zum vierten Male mit einer Internationalen Konferenz den besonderen Anliegen der älteren Generation zuwendet. Erstmals auch in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. Die Volkssolidarität Dresden e. V. sei ein „Vordenker in der Seniorenarbeit und meistens der beste Partner für die Stadt“. Durch die zwei von ihr im Dresdner Stadtrat vertretenen Stadträte fließen die Belange der Senioren unmittelbar in dessen Arbeit ein. Über 30 Prozent der Dresdner seien heute über 60 Jahre alt. Der gestiegene Anteil bewirkte in den letzten Jahren mehr Engagement der Stadt in der Altenhilfe, beim Aufbau von Beratungsstellen oder bei Fragen der Wohnungsanpassung. „Eine Stadt ist nur so gut, wie es den Senioren gut geht, wie diese teilhaben können am gesellschaftlichen Leben“, sagte Petra Zschöppe.

Tadeusz Krason sprach über die Arbeit des Behindertenparlaments in Wroclaw. Dieses bestehe aus 30 Nichtregierungsorganisationen, die zusammengeführt wurden. 19 Organisationen arbeiten eng mit der Stadtverwaltung zusammen, übernehmen deren Aufgaben z. B. auf den Gebieten Gesundheitsbetreuung, soziale Dienste u. a. Nach 1990 sei das Problem von behinderten Menschen verstärkt in die Öffentlichkeit getragen worden, seitdem gebe es Eingliederungsprogramme für geistig Behinderte und Kranke. Seit fünf Jahren existiert das Projekt „Stadt ohne Barrieren“. Zu bemängeln sei, dass es noch zuwenig Senioren-Clubs in Wroclaw gebe. 60 seien derzeit in Wohngebieten verankert. Die Stadt verfügt über ein Seniorenzentrum, das auch eine Beratungsstelle sowie ein Bildungs- und Info-Zentrum hat. Das Zentrum berät zu Sozialhilfe, medizinischer Hilfe oder koordiniert Kontakte zu Schulen u. a. m. Neu ist, dass der Oberbürgermeister einen Berater für Seniorenfragen berufen hat: Frau Valentina Vnuk. Ziel ist, mehr Leute für die Seniorenarbeit zu erreichen. So ist auch die Gründung eines städtischen Beirats für Senioren geplant. In Dresden möchte man schauen, wie das hier organisiert ist.

Miroslaw Draxl, Vorsitzender des Bundes der tschechischen Senioren aus Usti nad Labem, berichtete über die Arbeit des Rentnerbunds. Dieser zählt 650 Mitglieder und alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Neben diesem gebe es 12 weitere Organisationen. Die mitgliederstärksten sind in Most (Sportwettbewerbe für Senioren), Usti (Wanderungen für Senioren) und Liberec (PC-Kurse für Senioren). Für die Zukunft wünscht er sich eine enge Zusammenarbeit zwischen dem tschechischen Rentnerbund und der Volkssolidarität.

Dr. Peter Münzberg berichtete anschaulich zu den Erfolgen bei der Beseitigung von Barrieren im öffentlichen Personennahverkehr in der Landeshauptstadt Dresden. So haben jetzt alle Niederflurstadtbahnwagen und alle Niederflurbusse eine Rampe für Rollstuhlfahrer. Übernommen wurde ein Blindeninformationssystem aus Prag, das 150 ständige Nutzer hat. Innerhalb des Innenstadtrings sind alle Haltestellen barrierefrei.
Ab 2010 startet ein grenzüberschreitendes EU-Projekt unter dem Titel „INTERREG LIFE – Selbsthilfe Sachsen und Euroregionen in Polen und Tschechien“.

Neben diesem ausführlichen Vortragsteil stand am 26. November 2009 auch noch der praktische Erfahrungsaustausch in den sozialen Einrichtungen der Volkssolidarität Dresden e.V., zum Beispiel der Besuch des Sozial-Kulturellen Zentrums in Gorbitz, im Mittelpunkt. Mit den Worten: „Lasst uns gemeinsam um ein gerechtes Altersbild kämpfen“, beschloss Jürgen Scholtyssek die Konferenz.

 

© Volkssolidarität Dresden

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